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Reisende mit Vorerkrankungen

Wechselwirkungen mit folgenden Medikamenten sind möglich

Grundsätzlich können Medikamente die Wirkung anderer Medikamente beeinflussen. Deshalb müssen diese Wirkungen (Wechselwirkungen) bei der Auswahl der Malariamedikation bedacht werden. Eine Tabelle gibt Auskunft über die Wechselwirkungen der empfohlenen Malariamedikamente.

Niereninsuffizienz

Chloroquin wird über die Niere ausgeschieden und sollten daher bei Niereninsuffizienz in angepasster Dosierung verordnet werden. Mefloquin (Lariam®)und Doxycyclin werden vorwiegend über die Leber metabolisiert und können auch bei Dialyse-Patienten oder bei einer Kreatininclearance von < 60ml/min ohne Dosisanpassung gegeben werden.

Atovaquon/Proguanil (Malarone® und Generika®) ist kontraindiziert bei einer Kreatinin-Clearance unter 30 ml pro min.

Dihydroartemisinin/Piperaquintetraphosphat (Eurartesim®) wurde bei Patienten mit mäßiger oder schwerer Nierenfunktionsstörung nicht untersucht. Daher ist bei der Anwendung des Arzneimittels bei diesen Patienten Vorsicht geboten.

Schwere Leberkrankheiten

Bei schweren Leberkrankheiten (Child-Stadium B und C und/oder Erhöhung der Transaminasen auf mehr als das Doppelte des oberen Normwertes) sind alle Malariamedikamente kontraindiziert. In diesen Fällen sollte von der Reise abgeraten werden.

Schwere Herzkrankheiten

Mefloquin (Lariam®) sollte nicht bei bekannten Erregungsleitungsstörungen sowie bei gleichzeitiger Therapie mit Medikamenten vom Chinidin-Typ gegeben werden. Das bezieht sich auch auf Patientinnen und Patienten mit plötzlichem Herztod in der Familienanamnese oder einer angeborenen Verlängerung des QTc-Intervalls im EKG. Bei Einnahme von Betablockern kann Mefloquin verordnet werden, wenn keine Arrhythmie vorliegt. Artemether/Lumefantrin (Riamet®) ist bei Herzerkrankungen, die mit symptomatischen Herzrhythmusstörungen, mit klinisch relevanter Bradykardie oder Herzinsuffizienz mit verringerter linksventrikulärer Auswurffraktion einhergehen, kontraindiziert. Das gilt auch bei Patienten mit plötzlichem Herztod in der Familienanamnese oder einer angeborenen Verlängerung des QTc-Intervalls im EKG. Dihydroartemisinin/Piperaquintetraphosphat (Eurartesim®) ist bei Herzerkrankungen, die mit klinisch relevanten Herzrhythmusstörungen, klinisch relevanter Bradykardie oder  Herzinsuffizienz mit reduziertem Linksventrikelauswurf einhergehen, kontraindiziert. Das gilt auch bei Patienten mit plötzlichem Todesfällen, oder einer angeborenen Verlängerung des QTc-Intervalls in der Familienanamnese oder jeglichem klinischen Umstand, der zu einer Verlängerung des QTc-Intervalls führt. Dihydroartemisinin/Piperaquintetraphosphat ist weiterhin kontraindiziert bei Herzerkrankungen, die für Arrhythmien prädisponieren, wie schwere Hypertonie und bei Elektrolytstörungen, insbesondere Hypokaliämie, Hypokalzämie oder Hypomagnesiämie.

 

Hämatologische und immunologische Erkrankungen

Bei Splenektomierten sollte auf eine konsequente Malariaprophylaxe geachtet werden, auch wenn es keine sicheren Hinweise auf foudroyante Verläufe gibt und nicht grundsätzlich von Aufenthalten in Malariagebieten abgeraten werden muss. Das gleiche gilt für Patienten mit Immundefekten als Folge einer medikamentösen Therapie, z.B. bei Organtransplantation.

Epilepsie

Das Risiko für einen Epilepsiekranken, unter einer Prophylaxe mit Chloroquin einen epileptischen Anfall zu erleiden, scheint nicht höher zu sein als das Spontanrisiko. Daher ist es vertretbar, im Falle einer notwendigen Malariaprophylaxe bei einer Person mit Epilepsie Chloroquin einzusetzen. Mefloquin (Lariam®) darf zur Malariaprophylaxe bei Personen mit Epilepsie nicht eingesetzt werden. Dies sollte auch für den Einsatz von Mefloquin bei Verwandten Epilepsiekranker gelten, wenn die Ätiologie der Epilepsie idiopathisch ist. Sollte Mefloquin dennoch eingesetzt werden müssen, so könnte zuvor eine elektroenzephalographische Untersuchung in einem gewissen Maße Auskunft darüber geben, ob bei dem Verwandten eine Disposition zu Epilepsie besteht. Eine Malariaprophylaxe mit Chloroquin oder Doxycyclin ist bei Epilepsiekranken möglich. Die gleichzeitige Einnahme eines enzyminduzierenden Arzneimittels wie Carbamazepin bewirkt jedoch eine Abnahme der Doxycyclin-Plasmakonzentrationen, weshalb eine Dosisanpassung (z.B. 200 mg Doxycyclin-Monohydrat täglich) zu erwägen ist. Die Erfahrungen zur Prophylaxe oder zur notfallmäßigen Selbstbehandlung mit Atovaquon/Proguanil (Malarone® und Generika®) und zur notfallmäßigen Selbstbehandlung mit Artemether/Lumefantrin (Riamet®) sind bisher bei Epilepsiekranken gering. Daher sollte die Indikation zurückhaltend gestellt werden. Bei Dihydroartemisinin/Piperaquintetrahosphat (Eurartesim®) ist zu beachten, dass enzyminduzierende Arzneimittel (z.B. Carbamazepin, Phenytoin, Phenobarbital) wahrscheinlich eine Abnahme der Piperaquin-Plasmakonzentrationen bewirken. Die Dihydroartemisinin-Konzentration nimmt möglicherweise ebenfalls ab. Eine gleichzeitige Behandlung mit solchen Arzneimitteln wird nicht empfohlen.

HIV-Infektion

NRTI (Nucleoside analog reverse-transcriptase inhibitors): Die Malariaprophylaxe ist im Allgemeinen unproblematisch, es sind keine Interaktionen zu erwarten. NNRTI (Non-nucleoside reverse-transcriptase inhibitors): Es bestehen potentielle Interaktionen, da NNRTI die Cytochrom P450-Systeme induzieren können, was zu einem schnelleren Abbau der Malariamedikamente führen kann. Bei einer strikten Anwendung der Malariamedikamente darf man einen genügenden Schutz annehmen. PI (Protease inhibitors): Alle PI beeinfl ussen die Cytochrom P450-Systeme und die P Glykoprotein (P-Gp) deutlich. Im Fall einer konsequenten Anwendung der Malariamedikamente ist von einem genügenden Schutz auszugehen und die Sicherheit im Allgemeinen gewährleistet. Ritonavir und Atovaquon: leichte Reduktion der Verfügbarkeit von Atovaquon bei gleichzeitiger Gabe (wahrscheinlich nicht klinisch relevant für medikamentöse Prophylaxe, aber es muss explizit darauf hingewiesen werden, dass Atovaquon mit einer Mahlzeit einzunehmen sind). Integrase-Inhibitoren: Es sind keine Wechselwirkungen zu erwarten, doch liegen bisher kaum Daten vor. Man sollte sich bei Verordnung einer Malariaprophylaxe bei Patientinnen und Patienten unter antiretroviraler Therapie grundsätzlich unter www.hiv-druginteractions.org über mögliche Interaktionen erkundigen und ggf. mit einem spezialisierten Zentrum Kontakt aufnehmen. In Einzelfällen können Konzentrationsbestimmungen im Serum erforderlich werden.


aktualisiert:   25.07.2016, 11:31
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