Deutsche Gesellschaft für Tropenmedizin und Internationale Gesundheit e.V.
Deutsche Gesellschaft für Tropenmedizin
und Internationale Gesundheit e.V.
 
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Ausschuss "Global Health"

Vorsitz:
Prof. Albrecht Jahn, MD, PhD, MSc
University of Heidelberg
Institute of Public Health
Im Neuenheimer Feld 130/3  (Marsilius Turm West)
D-69120 Heidelberg, Germany
Tel. +49-6221-564886
email:
albrecht.jahn@uni-heidelberg.de

 

 

 

DTG Ausschuss Global Health

  1. Was verstehen wir unter Global Health?
  2. Gesundheit und Menschenrechte
  3. Umweltbedingte Gesundheitsfaktoren
  4. Krankheitsbekämpfung und Gesundheitssysteme
  5. Global Health Policy im SDG-Kontext
  6. Internationale Kooperationen

 

Was verstehen wir unter Global Health?

Global Health ist nach Beaglehole and Bonita (2010) die „partnerschaftliche transnationale Forschung und Aktion zur Verwirklichung des Ziels Gesundheit für Alle.“ Damit sind die wesentlichen Elemente angesprochen: Es geht um die Erkennung, Prävention und Lösung grenzüberschreitender Gesundheitsprobleme mit dem Ziel eines gerechten Zugangs zu Gesundheitsversorgung und gesunden Lebensbedingungen, oder - in anderen Worten - der weltweiten Verwirklichung des Rechts auf Gesundheit. Während die Kontrolle von Pandemien als globale Aufgabe längst erkannt und akzeptiert ist, gibt es viele weitere Herausforderungen, die nur mit einer solidarischen globalen Anstrengung bewältigt werden können. Dazu gehören Gesundheit und Klimawandel, Migration, Ernährung, die globale Epidemie von nichtinfektiösen Erkrankungen und der Zugang zu qualitativ guten und akzeptablen Gesundheitsdiensten. Da diese Herausforderungen weit über die unmittelbaren Bereiche Gesundheit und Lebenswissenschaften hinausgehen, erfordert Global Health die Zusammenarbeit mit anderen Sektoren und Disziplinen wie Umweltwissenschaften, Sozialwissenschaften, (Entwicklungs-) Politik, und Recht. Als DTG-Ausschuss zu Global Health wollen wir diese Vermittlungsfunktion wahrnehmen.

Dazu stellen wir uns folgende Aufgaben:

  • Vernetzung der Initiativen zu Global Health innerhalb und außerhalb der DTG
  • Aktiver Gesprächspartner für die Politik, Institutionen der Entwicklungszusammenarbeit (z.B. GIZ), Zivilgesellschaft und Öffentlichkeit
  • Stellungnahmen und Initiativen zu aktuellen (forschungs-)politischen Prozessen mit Global Health-Relevanz, insbesondere zur Forschungsförderung (EU, DFG, BMBF)
  • Umwelt und Gesundheit
  • Krankheitskontrolle und Gesundheitssystementwicklung
  • Gesundheit und Menschenrechte
  • Global Health Policy
  • Internationale Partnerschaften und Netzwerke

Unsere aktuellen thematischen Schwerpunkte sind:


Gesundheit und Menschenrechte

Gesundheit ist ein Menschenrecht! Mit unserer Arbeit haben wir das Ziel, das Recht auf Gesundheit von der Theorie in die Praxis umzusetzen und Zugang zu einer adäquaten medizinischen Versorgung für alle zu schaffen.

Zwischen den verschiedenen Staaten bestehen große Unterschiede beim gesundheitlichen Zustand ihrer Bevölkerungen und deren Zugang zu medizinischer Versorgung. Aber auch innerhalb eines Landes gibt es große Diskrepanzen. Besonders deutlich werden diese bei Migranten, Flüchtlingen, Asylbewerbern und Menschen ohne Papiere, die auch in Deutschland erhebliche Nachteile beim Zugang zu präventiven und kurativen Maßnahmen erleben. Mitglieder des Ausschusses Global Health der DTG verfügen über jahrelange Erfahrung auf dem Gebiet der Gesundheitsversorgung in Ländern mit geringem Einkommen, engagieren sich aber auch dezidiert bei der Migrantenmedizin in Deutschland. Im Bereich der medizinischen Friedensarbeit verfügen Mitglieder des Ausschusses über Fachwissen zu den Auswirkungen von Krieg und Gewalt auf die persönliche und die öffentliche Gesundheit sowie über die Rolle von Mitarbeitern im Gesundheitswesen bei primärer, sekundärer und tertiärer Gewaltprävention.

Umweltbedingte Gesundheitsfaktoren

Die Welle der “chronischen Krankheiten” oder „Nicht übertragbaren Krankheiten“ (NCDs, Non-Communicable Diseases) ist in den ärmeren Ländern schon lange angekommen, hat aber ihren Höhepunkt sicherlich noch nicht erreicht. Zu den Ursachen gehören Verhaltensänderungen wie veränderte Konsum- und Ernährungsgewohnheiten, Bewegungsarmut, Stress, aber auch Umweltfaktoren wie Luftverschmutzung und Lärmbelastung. Global Health hat sich demnach nicht mehr nur mit den weiterhin bestehenden Infektionskrankheiten oder Themen um Mutter und Kind zu beschäftigen, sondern muss verstärkt die Entwicklung allgemeinmedizinischer Programme für kardiovaskuläre Krankheiten, Krebs, Diabetes, chronische Lungenkrankheiten und mentale Gesundheit vorantreiben und gleichzeitig die Ursachenbekämpfung von umweltbedingten chronischen Krankheiten auf ein solides Wissensfundament stellen. Gemeinsames Handeln der reichen und ärmeren Länder ist hier besonders vielversprechend, weil es Probleme anspricht, die alle betreffen und bei denen wir alle voneinander lernen können.

Krankheitsbekämpfung und Gesundheitssysteme

Die Etablierung und Finanzierung von globalen Programmen, die auf die Bekämpfung einzelner Erkrankungen ausgerichtet sind (vertikaler Ansatz), ist und bleibt das zentrale Paradigma globaler Gesundheitspolitik auch zum Beginn des 21. Jahrhunderts. Es handelt sich hierbei insbesondere um spezifische Programme gegen Infektionskrankheiten, die weltweit für eine hohe Krankheitslast stehen (z. B. HIV/AIDS, Malaria und Tuberkulose), um Programme, die spezifische vernachlässigte tropische Erkrankungen betreffen (z. B. Schistosomiasis, Filariasis, Trachom), und um Programme zur Ausrottung von Erkrankungen (z. B. Poliomyelitis, Medina Wurm). Diese Programme werden von einer Vielzahl neuer globaler Gesundheitsinitiativen und Finanzierungsmechanismen unterstützt (z. B. Global Fund to Fight AIDS, Tuberculosis and Malaria, Global Alliance for Vaccines and Immunisation, Gates und andere Stiftungen). Es wird aber auch zunehmend wieder gefordert, sowohl die Weltgesundheitsorganisation wie auch die nationalen Gesundheitssysteme zu stärken (horizontaler Ansatz), da diese neuen Programme sonst weder legitimiert noch absorbiert werden können, bzw. beide Ausrichtungen besser zu integrieren (diagonaler Ansatz). Mitglieder des Ausschusses Global Health der DTG verfügen über umfassende Erfahrungen auf dem Gebiet der globalen Krankheitsbekämpfung und der Gesundheitssystemforschung.

Global Health Policy im Kontext der nachhaltigen Entwicklungsziele (Sustainable development goals – SDGs)

Global Health erfordert internationale Absprachen und Vereinbarungen. Diese politische Dimension wird zunehmend erkannt und hat dazu geführt, dass viele Länder Global Health-Strategien entwickelt haben (z.B. Schweiz, EU, UK). Auch Deutschland hat 2013 sein Konzept für eine globale Gesundheitspolitik veröffentlicht, das aktuell im Dialog mit der Zivilgesellschaft und der Wissenschaft neu formuliert wird. Dabei wird Gesundheit zunehmend als Querschnittsaufgabe betrachtet („Health in all policies“) und soll insbesondere in der Außenpolitik eine größere Rolle spielen (Oslo-Deklaration). Die DTG und der Ausschuss beteiligen sich aktiv an dieser Debatte.

Die aktuellen „hot topics“ sind:

  • Forschung und Entwicklung für eine bessere Prävention, Diagnostik und Behandlung armutsbedingter und vernachlässigte Krankheiten: Zugang zu essentiellen Medikamenten und Patentschutz, die 10/90 Lücke (90% der Ausgaben für Forschung und Entwicklung konzentrieren sich auf Krankheiten der reichen Länder); Wie kann Forschung und Entwicklung für Krankheiten in Entwicklungsländern finanziert werden? Hierzu hat eine WHO-Arbeitsgruppe (CEWG) Vorschläge entwickelt, die weitgehend von der Weltgesundheitsversammlung 2016 beschlossen wurden.
  • Global Health Governance und WHO-Reform: Die WHO hat ihre Rolle als politisch legitimierte und führende global Gesundheitsinstitution weitgehend eingebüßt, nicht zuletzt, weil sie sie ihre finanzielle Unabhängigkeit verloren und inzwischen 80% ihres Budgets außerhalb des regulären „core“ Budgets bekommt und daher weitgehend von den Gebern kontrolliert wird.
  • Umsetzung der nachhaltigen Entwicklungsziele (SDGs): Neben dem spezifischen Gesundheitsziel (SDG 3: Ein gesundes Leben für alle Menschen jeden Alters gewährleisten und ihr Wohlergehen fördern) beinhalten auch weitere SDGs wesentliche Gesundheitskomponenten (z.B. zu Ernährung, Umwelt, Gender und nachhaltigem Wirtschaften).
  • Verknüpfung von gesundheitspolitischen Zielen mit den Themen, Umwelt, Nachhaltigkeit und Klimawandel
  • Universal Health Coverage (universeller Zugang zu Gesundheitsversorgung) als zentrales Ziel globaler Gesundheitspolitik – Umsetzung des Rechts auf Gesundheit

Internationale Kooperationen

Der Global Health Ausschuss der DTG unterstützt die partnerschaftliche Forschungs- und Entwicklungszusammenarbeit deutscher Forschungseinrichtungen mit Institutionen im Ausland. Zudem steht er als Ansprechpartner und Vermittler für externe Interessenten an der Zusammenarbeit mit deutschen Organisationen zur Verfügung. Wir setzen uns für einen fairen Ausgleich der Interessen von allen Projektbeteiligten und Kooperationen auf Augenhöhe ein und fördern Nord-Süd- und Süd-Süd Kooperationen.

Projekte der klinischen Versorgung sollten die Unterstützung medizinischer Versorgungseinrichtungen zur adäquaten Patientenversorgung (anwendungs-orientierte Partnerschaften), sowie die Einführung angepasster Technologien mit Einschluss von Point-of-Care-Testing (POCT, patientennahe Labordiagnostik) fördern. Bei Projekten der wissenschaftlichen Zusammenarbeit sollten neben konkreten Forschungszielen insbesondere der Ausbau der Forschungsinfrastruktur in Partnerländern, sowie die Fort- und Weiterbildung von Wissenschaftlern in Partnerländern und in Deutschland gefördert werden.