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Der Begriff "Reiseimpfungen" ist nicht definiert. Im Allgemeinen zählt man dazu Impfungen, die anlässlich einer Reise überprüft, empfohlen bzw. gegeben werden.
Für praktische Belange unterscheidet man 1. Impfungen, die evtl. vorgeschrieben sind
2. Impfungen, die generell empfohlen sind
3. Impfungen, die bei Risiko empfohlen sind
Impfplan und Zeitabstände |  |  |  |
Die Aufstellung des Impfplanes erfolgt nach Indikation und Zeit bis zur Abreise, ggf. unter Beachtung von Ausschlussfristen und Prioritäten. Das Impfprogramm soll möglichst 10 bis 14 Tage vor Reiseantritt abgeschlossen sein. Diese Zeit wird zum Aufbau des Impfschutzes benötigt, sofern es sich nicht um eine Boosterung handelt. Außerdem sind eventuelle Impfreaktionen in aller Regel auf diesen Zeitraum begrenzt. Last minute-Reisen sind jedoch kein Grund, auf notwendige oder empfohlene Impfungen zu verzichten; das gilt vor allem für die Hepatitis A. Über die entsprechenden Konsequenzen ist individuell zu entscheiden und entsprechend aufzuklären. Sind zum Aufbau einer Grundimmunisierung mehrere Einzelimpfungen erforderlich, dürfen die hierfür vorgesehenen Mindestabstände nicht unterschritten werden; dagegen gibt es keine unzulässigen Maximalabstände. Jede dokumentierte Impfung zählt (STIKO)! Impfungen mit inaktivierten Erregern, Antigenbestandteilen oder Toxoiden (sog. "Totimpfstoffe") erfordern untereinander oder zu Lebendimpfungen keine Zeitabstände. Impfungen mit attenuierten viralen "Lebendimpfstoffen" wie Gelbfieber, Masern, Mumps, Röteln, Hepatitis A, Varizellen können simultan verabreicht werden, andernfalls ist ein Mindestabstand von 4 Wochen einzuhalten (siehe Tabelle). Nach homologen Immunglobulinen (wie auch nach Bluttransfusionen) ist zu parenteralen Lebendvirusimpfstoffen ein Mindestabstand von 3 Monaten einzuhalten, bei umgekehrter Reihenfolge in der Regel 2 Wochen, bei Gelbfieber 1 Woche. Bei der oralen (Lebend-)impfung gegen Typhus sind keinerlei Zeitabstände erforderlich (cave: Antibiotika, Malariamittel!). Für alle Zeitabstände gilt der Grundsatz, dass die Reaktion der vorangegangenen Impfung vollständig abgeklungen ist und Komplikationen nicht aufgetreten sind.
Zeitabstände (in Tagen) für Lebendimpfstoffe, wenn sie nicht simultan gegeben werden, sowie für Immunglobuline und Bluttransfusionen |  |  |  |

| Gelbfieber
| Masern (MMR)
| Varizellen
| Typhus (oral)
| Immunglobulin Bluttransfusion
| Gelbfieber | | 28 | 28 | - | 7 | Masern (MMR) | 28 | | 28 | - | 14 | Varizellen | 28 | 28 | | - | 14 | Typhus (oral) | - | - | - | | - | Immunglobulin Bluttransfusion | 90 | 90 | 90-150 | - | |

Reise-Impfungen und Schwangerschaft |  |  |  |
Während der Schwangerschaft sollten Impfungen nur nach sorgfältiger Nutzen-Risiko-Abwägung und bei eindeutiger Indikation durchgeführt werden, das gilt vor allem für Lebendimpfstoffe im 1. Trimenon, speziell für Gelbfieber. Bei formaler Indikation (Impfpflicht bei Einreise) Impfung vermeiden, evtl. Impfbefreiungszeugnis; bei medizinischer Indikation (Exposition im Endemiegebiet) Reise möglichst vermeiden, ansonsten Impfung unter Risikoabwägung. Eine versehentlich in der Schwangerschaft durchgeführte Impfung mit einer Lebendvakzine ist generell keine Indikation für einen Schwangerschaftsabbruch.
Übersicht über Impfungen sind in der Schwangerschaft
Reiseimpfungen bei Kindern |  |  |  |
Prinzipiell soll ein Kind auf einer Reise den gleichen Impfschutz haben wie ein Erwachsener. Die Reiseimpfempfehlungen für Kinder orientieren sich daher an den gleichen Kriterien. Dabei müssen altersbedingte Zulassungsbeschränkungen, Nebenwirkungen, Impfantworten und Gefährdungen berücksichtigt werden, so dass eine alterspezifische Nutzen-Risiko-Analyse erforderlich ist.
Generell sollte jedes Kind alle nach dem aktuellen Impfkalender der STIKO für sein Alter vorgesehenen Impfungen haben. Eventuelle Impflücken sind im Rahmen der Reisevorbereitungen zu schließen. Auf fällige Boosterungen während der Reise ist besonders bei Langzeitaufenthalten hinzuweisen.
Für die hier abgehandelten (Reise-)Impfungen ist aus diversen Gründen ein Mindestalter (in vollendeten Monaten bzw. Jahren) zu beachten:
Impfstoff | Mindestalter | | 2 Monate* | | 2 Monate 6 Monate**
| | 6 Monate | | 9 (6) Monate*** | | 9 (6) Monate**** | | 9 Monate | | 1 Jahr***** | | 1 Jahr | | 1 Jahr | | 1 Jahr | | 2 Jahre | | 2 Jahre | | 2 Jahre |
* | Ausnahme: Hepatitis B-Simultanprophylaxe bei exponierten Neugeborenen | ** | Wirksamkeit und Schutzdauer bei Kindern < 2 Jahren unsicher | *** | nach WHO ab 9. Monat; Hersteller konzediert Impfung bereits ab vollendetem 6. Monat nur unter besonderen Umständen und in Übereinstimmung mit offiziellen Empfehlungen | **** | nach WHO evtl. schon ab 6. Monat, dann aber Nachimpfung termingerecht gemäß STIKO-Impfkalender | ***** | bei Kindern < 3 Jahren: Fieberreaktionen nach Impfung häufiger, Krankheitsverläufe mit Enzephalitis seltener; strenge Indikationsstellung nach Risikoabwägung |
Impfungen bei HIV-Infektion |  |  |  |
(nach Empfehlungen der STIKO, Juli 2008)
HIV-Infizierte sind aufgrund ihrer möglichen immunschwäche besonders gefährdet. | HIV-Infektion asymptomatisch (>200 CD4-Zellen) | HIV-Infektion symptomatisch (<200 CD4-Zellen) | Inaktivierte Impfstoffe, Toxoide | | | | | | Gelbfieber u.a. Lebendvirusimpfstoffe | | | | | |
* Masern können bei HIV-Infizierten einen besonders schweren Verlauf nehmen. Bei erhöhter Masern-Gefährdung ist deshalb eine Masern-Impfung indiziert. Eine gleichzeitig durchgeführte IgG-Substitution kann den Impferfolg in Frage stellen. Eine Kontrolle des Impferfolges ist in diesen Fällen angeraten. Im Falle einer akuten Masern-Exposition ist bei bestimmten Personen eine IgG-Gabe zu erwägen.
** Die Varizellen-Schutzimpfung kann bei Varizellen-empfänglichen HIV-infizierten Personen mit noch funktionierender zellulärer Abwehr (altersentsprechende CD4+-Zellzahl mit einem Anteil der CD4+-Zellen an den Gesamtlymphozyten von ≥ 25%) erwogen werden.
Es ist darauf hinzuweisen, dass Impfschutzraten und -zeiten generell bei Impflingen mit HIV-Infektion reduziert und bei fortgeschrittener Immunschwäche unsicher sind, so dass Kontrollen der Impftiter und ggf. die Gabe vom Immunglobulinen erwogen werden sollte.
Weitere Informationen finden Sie hier:
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