Deutsche Gesellschaft für Tropenmedizin und Internationale Gesundheit e.V.
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und Internationale Gesundheit e.V.
 
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Indikation:

I. Reisemedizin:

Reisende in Länder mit hohem Tollwutaufkommen speziell bei Langzeitaufenthalten, unzureichender ärztlicher Versorgung vor Ort, Mangel an modernen Impfstoffen und Immunglobulin, einfachen Reise- / Aufenthaltsbedingungen und/oder Umgang mit Tieren

II. sonstige (Inland):

Gefährdete Berufsgruppen (z.B. Jäger, Forstarbeiter, Laborpersonal, Veterinäre) sowie Risikogruppen (z.B. enger Kontakt zu Fledermäusen)

Impfstoff:

Totimpfstoff; inaktivierte Tollwutviren, in Deutschland aus Gewebekultur in

a) humanen diploiden Zellen, HDC (Tollwut-Impfstoff (HDC)) oder

b) PCEC-Hühnerfibroblasten (Rabipur®)

Zusätze: div. Salze, Zucker, Polygelin oder Humanalbumin, Antibiotikaspuren

Applikation

1,0 ml i.m. nach Restitution mit beigefügtem Lösungsmittel

Grundimmunisierung: jeweils 1 Dosis an den Tagen 0-7-21 oder 0-7-28 evtl. eine weitere Dosis nach 1 Jahr a) ein Schnellimpfschema mit je 1 Dosis am Tag 0, 3 und 7 bei Erwachsenen ist möglich, aber nicht zugelassen; siehe zusätzliche Hinweise und Empfehlungen)

Wirksamkeit:

zuverlässig; Beginn ca. 2 Wochen nach der dritten Dosis;

Wiederimpfung:

- laut Fachinformation nach 1 (a) bzw. 2 bis 5 (b) Jahre; dann alle 5 Jahre (a,b)

- die WHO empfiehlt keine routinemäßigen Wiederimpfungen mehr (siehe Bemerkungen)

Kontraindikation:

Präexpositionell: akute, behandlungsbedürftige Krankheiten, Allergie gegen Impfstoffbestandteile; Postexpositionell: keine

 

Nebenwirkungen:

s. Packungsbeilage bzw. Fachinformation!

 

Schwangerschaft:

keine ausreichenden Daten, Anwendung während Schwangerschaft und Stillzeit allenfalls unter Risikoabwägung

 

Bemerkungen:

● Die Tollwuterkrankung des Menschen endet tödlich! Der Reisende ist über das lokale Übertragungsrisiko aufzuklären.

● Die Impfstoffe der einzelnen Hersteller können miteinander kombiniert werden

● Nach neueren Daten persistieren neutralisierender Antikörper und das immunologische Gedächtnis mit rascher Boosterfähigkeit, länger als 10 Jahre. Die WHO empfiehlt daher seit 2007 für Reisende nach vollständiger Grundimmunisierung keine routinemäßigen Auffrischimpfungen

● Es konnte gezeigt werden, dass nach einem Schnellimpfschema bei Erwachsenen mit je 1 Dosis am Tag 0-3 und 7 eine gute Immunantwort erzielt werden kann. Dieses Schema kann bei kurzfristig anstehenden Reisen in Endemiegebiete mit entsprechendem Expositionsrisiko als off-label Anwendung erwogen werden. Es existieren keine Daten bzgl. des Zeitpunktes einer Boosterung nach Schnellimmunisierung. Solange das Schnellschema nicht zugelassen ist und keine verbindliche Auffrischempfehlung existiert, sollte vor der nächsten anstehenden Reise mit potentiellem Toollwutrisiko eine einmalige Boosterung erfolgen. (Mindestabstand 14 Tage zur letzten Impfung).

● Bei Reisen in Länder mit hohem Übertragungsrisiko und mangelhafter Impfstoffverfügbarkeit und/oder -qualität (z.B. Entwicklungsländer) Länderspezifische Informationen der WHO sowie bestimmten Berufsgruppen kann eine Wiederimpfung nach 5 Jahren erwogen werden bzw. bei Unterschreiten des Grenzwertes für neutralisierende Antikörper (0,5I.E./ml) sollte eine Wiederimpfung erfolgen.

● Nach tollwutverdächtiger Exposition (z.B. Bissverletzung) und zuvor erfolgter Grundimmunisierung adäquate Wundreinigung und je eine Impfstoffdosis an den Tagen 0 und 3, hierbei kein Immunglobulin! (=postexpositionelle Impfung BEI BESTEHENDER Grundimmunisierung).

● Vorgehen im Expositionsfall ohne vorangegangener Grundimmunisierung (= postexpositionelle Impfung OHNE Grundimmunisierung) s. Fachinformation bzw. STIKO- oder WHO-Empfehlungen.

● Bei Immundefizienz ist der Impferfolg fraglich; Antikörperbestimmung, wenn neutralisierende Antikörper unter 0,5 I.E./ml liegt, ggf. Nachimpfung. Herstellerangaben beachten.

Links:

Länderspezifische Informationen der WHO

Ergebnisse der Konsensuskonferenz zur Tollwut-Impfung