Deutsche Gesellschaft für Tropenmedizin und Internationale Gesundheit e.V.
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und Internationale Gesundheit e.V.
 
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Indikation:

1. Reisemedizin:

Influenza ist die häufigste impfpräventable Infektionskrankheit auf Fernreisen! Impfung daher für alle Fernreisenden sinnvoll. Dies gilt insbesondere auf Kreuzfahrtschiffen, Bus-, Bahn- oder Flugreisen, in organisierten Touristengruppen, auf Großveranstaltungen und für Haddsch-Pilger

II. Inland (STIKO): 1. Personen über 60 Jahre (Standardimpfung nach STIKO) 2. Kinder, Jugendliche, Schwangere ab dem 2. Trimenon; Erwachsene und Schwangere ab dem 1. Trimenon mit erhöhter Gefährdung infolge eines Grundleidens, bei beruflicher Exposition oder bei drohender Epidemie (Indikationsimpfung nach STIKO)

Impfstoff:

a) Tri- oder tetravalenter Totimpfstoff; Zusätze (je nach Hersteller): Spuren von Formaldehyd, Antibiotika, Hühnereiweiß b) Tetravalenter Lebendimpfstoff als Nasenspray (Fluenz ®Tetra); kann Spuren von Gentamycin, Gelatine und Hühnereiweiß enthalten

Applikation:

a) Applikation1 x 0,5 ml i.m.; für Kinder s. zusätzliche Hinweise und Empfehlungen und Packungsbeilage

b) je 0,1 ml beidseits nasal

Wirksamkeit: gut bis befriedigend Beginn ca. 1-2 Wochen nach Impfung für 6-12 Monate

Wiederimpfung:

jährlich bei erstmaliger Impfung im Kindesalter Wiederholung nach 4 Wochen

Nebenwirkungen:

siehe Packungsbeilage bzw. Fachinformation!

Kontraindikation:

a) akute, behandlungsbedürftige Krankheiten; Allergie gegen Bestandteile

b) primäre oder sekundärer Immundefizienz, schweres Asthma, gleichzeitige Behandlung mit Salicylaten (Reye-Syndrom!); Vorsicht bei kraniofazialen Fehlbildungen

Schwangerschaft:

a) wahrscheinlich sicher, bevorzugt ab 2. Trimenon, bei Grundleiden auch früher. Stillen gilt nicht als Kontraindikation

b) fehlende Erfahrung; in Schwangerschaft und Stillzeit nicht empfohlen

siehe Schwangere

Bemerkungen:

● Für Säuglinge und Kleinkinder ab dem vollendeten 6. Monat bis zum vollendeten 3. Lebensjahr gibt es dosisreduzierte Darreichungsformen des Totimpfstoffs. Der tetravalente Totimpfstoff ist erst für Kinder ab 3 Jahre zugelassen. Der Lebendimpfstoff ist ab einem Alter von 24 Monaten bis zum vollendeten 18. Lebensjahr zugelassen.

● Für Personen > 65 Jahre ist ein trivalenter adjuvierter Impfstoff mit besserer Immunogenität erhältlich.

● Impfung möglichst vor Beginn der Grippesaison auf der betreffenden Hemisphäre.

Nordhalbkugel: November - April; Südhalbkugel: Mai – Oktober. Bei Reisen auf die südliche Halbkugel ist die Verwendung eines speziellen Impfstoffes nicht erforderlich; nach bisherigen Erfahrungen ist der hiesige Impfstoff ausreichend immunogen, allerdings ab Mai kaum noch verfügbar. Bei entsprechender Indikation sollte die Impfung daher möglichst vorher erfolgen. Schutzdauer 6 - 12 Monate.

● Neben der Grippeimpfung ist für Risikogruppen eine Impfung gegen Pneumokokken indiziert; eine einmalige Applikation gilt für Personen > 60 Jahren und chronisch Kranken ab 16 Jahren mit Pneumovax® 23 Wiederholungsimpfungen im Abstand von mind. 6 Jahren, bei angeborenen oder erworbenen Immundefekten bzw. Immunsupression, bei Personsn im Alter von 2-15 Jahren sowei bei Personen mit anatomischen und Fremdkörperassoziierten Risiken für Pneumokokken-Meningitis als sequentielle Impfung  mit Prevenar 13® gefolgt von Pneumovax ®23 nach 6-12 Monaten. Aufgrund der begrenzten Dauer des Impfschutzes soll die Impfung mit Pneumovax ®23 mit einem Mindestabstand von 6 Jahren wiederholt werden (STIKO). Bei Reisen in den Miningitisgürtel in der Subsahararegion sollte - insbesondere in Westafrika und in der Trockenzeit (dez.-März), bei bekannten Meningitis-Ausbrüchen, - Epidemien oder engen Kontakten zur Bevölkerung - bei allen o.g. Risikogruppen eine sequentielle Imfpung begonnen werden. Im letzten Jahrzehnt haben sich noch vor den Meningokokken der Serogruppe W die Pneumokokken (Streptococcus pneumoniae) als häufigste Erreger der bakteriellen Meningitiden im afrikanischen Meningitisgürtel hervorgetan. Bei den dort lebenden Kindern ab 5 Jahren, Jugendlichen und Erwachsenen ist die auch in den Pneumokokkenimpfstoffen enthaltene Serogruppe 1 je nach Land für 60-80% aller Pneumokokken-Meningitiden verantwortlich. Da nur ein Konjugat-Impfstoff die Kolonisierung im Nasen-Rachenraum verhindert bzw. eliminiert, kommt bei Reisen in o.g. Gebiete nur die Impfung mit Prevenar 13® in Frage, die 6-12 Monate später mit Pneumovax ®23 komplettiert werden sollte (sequentielle Impfung).

● Pneumokokken-/ Influenzaimpfstoffe bei Simultanimpfung an verschiedenen Stellen injizieren.

● Nach Möglichkeit tetravalente Impfstoffe bevorzugen; bessere Abdeckung gegen Influenza B. Bei älteren Menschen / bei Grunderkrankungen, die mit einer Immunschwäche einhergehen, ist die breitere Abdeckung eines tetravalenten Impfstoffes gegenüber der beseren Immunität des trivlenten adjuvantierten Impfstoffes abzuwägen.

● Gegen die Vogelgrippe schützt die Influenza-Impfung nicht.

● Bei Verwendung des Lebendimpfstoffs werden bis 2 Wochen nach Impfung attenuierte Influenzaviren ausgeschieden. Von hochgradig Immunsupprimierten fern halten!

Interaktion: Bei Simultanimpfung von Influenza- mit Masern-, Mumps-, Röteln-Lebendimpfstoff zeigt sich eine veränderte Immunantwort gegen Röteln, nicht aber gegen Mumps und Masern.

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