Deutsche Gesellschaft für Tropenmedizin und Internationale Gesundheit e.V.
Deutsche Gesellschaft für Tropenmedizin
und Internationale Gesundheit e.V.
Drucken Print

Artemether/Lumefantrin

Die fixe Kombination Artemether/Lumefantrin (Riamet®) kann zur Therapie einschließlich der notfallmäßigen Selbstbehandlung von unkomplizierten Infektionen durch P. falciparum und zur Akutbehandlung anderer Malariaformen eingesetzt werden; zur Prophylaxe der Malaria ist das Mittel insbesondere aufgrund seiner kurzen Halbwertszeit nicht geeignet. An Nebenwirkungen wurden in erster Linie Verdauungsstörungen, Kopfschmerzen und Schwindel beobachtet. Riamet® ist kontraindiziert bei Patienten mit einer Familiengeschichte für plötzlichen Herztod oder einer angeborenen Verlängerung des QTc-Intervalls, bei gleichzeitiger Anwendung anderer Arzneimittel, die das QTc-Intervall verlängern Anwendung bei besonderen Personengruppen, sowie bei allen anderen Zuständen, die mit der Verlängerung des QTc-Intervalls einhergehen. Ebenfalls besteht eine Kontraindikation bei Patienten unter Therapie mit starken Induktoren von CYP3A4, z. B. Rifampicin, Carbamazepin, Phenytoin und Johanniskraut (Hypericum perforatum). Artemether/Lumefantrin ist für Kinder ab 5 kg Körpergewicht zugelassen. Nach Abschluss einer Malariabehandlung sind die Patienten auf ein mögliches Wiederauftreten der Parasiten im peripheren Blut nach einigen Wochen (Rekrudeszenz) hinzuweisen. Im Falle einer Einnahme soll neben den üblichen Nachuntersuchungen eine Blutentnahme nach 2-3 Wochen empfohlen werden, um eine mögliche Hämolyse rechtzeitig zu erkennen siehe Anwendung bei besonderen Personengruppen . Weitere Angaben zu Kontraindikationen, Neben- und Wechselwirkungen sind der Fachinformation zu entnehmen.

Empfehlung zur Dosierung

Atovaquon/Proguanil

Die fixe Kombination Atovaquon/Proguanil (Malarone® und zahlreiche Generika) kann zur Prophylaxe und Therapie einschließlich der notfallmäßigen Selbstbehandlung von unkomplizierten Infektionen durch P. falciparum und zur Akutbehandlung anderer Malariaformen eingesetzt werden. Nebenwirkungen wie Übelkeit, Verdauungsstörungen und Kopfschmerzen sind leicht und nur von kurzer Dauer. Auch Nebenwirkungen aus dem psycho-vegetativen Bereich wie Herzklopfen, Schlafl osigkeit, Schwindel, ungewöhnliche Träume und Depressionen werden beobachtet. Da es bereits auf die Leberschizonten wirkt, beginnt die tägliche Einnahme mit einer Mahlzeit 1-2 Tage vor Betreten und endet 7 Tage nach Verlassen des Malariagebietes. Es ist besonders geeignet bei Last-Minute- und Kurzzeitreisen in Gebiete mit einem Falciparum-Malaria-Risiko. Es gibt Informationen zur Anwendung bei besonderen Personengruppen. Weitere Angaben zur Anwendungsbefristung, Kontraindikationen, Neben- und Wechselwirkungen sind der Fachinformation zu entnehmen.

Empfehlung zur Dosierung

Chloroquin

Chloroquin (Resochin®, Quensyl®) kann nur in Gebieten ohne relevante Chloroquin-Resistenz zur Prophylaxe und Therapie einschließlich der notfallmäßigen Selbstbehandlung eingesetzt werden. Eventuelle Nebenwirkungen sind in der Regel leicht und temporär; am häufigsten ist Schlaflosigkeit. Des Weiteren kann Chloroquin eine ausgeprägte QTc-Verlängerung im EKG bewirken. Zur Anwendung bei besonderen Personengruppen gibt es zusätzliche Empfehlungen. Weitere Angaben zu Kontraindikationen, Neben- und Wechselwirkungen sind der Fachinformation zu entnehmen.

Empfehlung zur Dosierung

Dihydroartemisinin/Piperaquintetraphophat

Dihydroartemisinin/Piperaquintetraphophat (Eurartesim®) als fixe Kombination ist angezeigt zur Therapie der unkomplizierten durch Plasmodium falciparum verursachten Malaria bei Erwachsenen, Kindern und Säuglingen ab 6 Monaten und ab einem Körpergewichrt von 5kg. Das Medikament soll auf nüchternen Magen eingenommen werden. Für die notfallmäßige Selbstbehandlung von Reisenden in Malariagebieten oder für die Prophylaxe wird (Eurartesim®) von der DTG nicht empfohlen1.

Klinische Studien mit EKG-Überwachung zeigten, dass QTc-Verlängerungen unter der Eurartesim®-Therapie nach Nahrungsaufnahme etwas häufiger auftraten und dass diese ausgeprägter waren als unter den Vergleichssubstanzen. Bei Einnahme im nüchternen Zustand, welche vom Hersteller empfohlen wird, ist dies nicht der Fall. Aus diesem Grund sollte laut Fachinformation (Stand Juli 2015) so früh wie möglich während der Behandlung mit Eurartesim® ein EKG geschrieben und dieses vor und nach der letzten Dosis wiederholt werden. Bei Patienten mit möglicherweise erhöhtem Risiko für die Entwicklung einer Arrhythmie im Zusammenhang mit einer QTc-Verlängerung sollte eine intensivierte EKG-Überwachung durchgeführt werden. QTc-Intervalle von mehr als 500 ms sind mit einem erheblichen Risiko potentiell lebensbedrohlicher ventrikulärer Tachyarrhythmien verbunden. Solche schweren Herzrhythmusstörungen wurden jedoch in klinischen Prüfungen mit Eurartesim® nicht beobachtet. Dennoch sollte die EKG-Überwachung während der nächsten 24 – 48 Stunden bei Patienten erfolgen, bei denen eine QTc-Verlängerung dieses Ausmaßes aufgetreten ist. Diese Patienten dürfen keine weitere Dosis Eurartesim® bekommen und es sollte eine andere Malariatherapie begonnen werden.

1An die Zulassung von Eurartesim®wurde die Auflage geknüpft ein "Schulungspaket für medizinisches Fachpersonal" zu publizieren. Die Informationen könnnen unter www.educationalmaterialeurartesim.de abgerufen werden. Aus dem dort publizierten und vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) freigegebenen "Leitfaden für medizinisches Fachpersonal" (Stand Januar 2013) geht hervor: "Aufgrund der besonderen Empfehlungen für die EKG-Aufzeichnung und für ein EKG-Monitoring während der Behandlung ist Eurartesim ungeeignet zur Notfallbehandlung (Stand-by-Therapie) von Reisenden in Malariagebiete."

Empfehlung zur Dosierung

Mefloquin

Mefloquin (Lariam®) kann in Gebieten mit hohem Malariarisiko, in denen überwiegend Mefloquin-sensible P. falciparum vorkommen, zur Prophylaxe und unter Einschränkung (s.u.) zur Therapie eingesetzt werden. Aufgrund seines Nebenwirkungsprofils und der vorhandenen Alternativen wird es von der DTG jedoch nicht mehr zur notfallmäßigen Selbstbehandlung empfohlen (Ausnahme bei schwangeren Reisenden). Die Herstellerfirma hat seit Februar 2016 auf die Zulassung von Lariam®-Tabletten (Zulassungsnummer 8634.00.00 – PZN: 04273048) in Deutschland verzichtet. Die Verkehrsfähigkeit der im Markt befindlichen Chargen mit o. g. Pharmazentralnummer bleibt auf Grund der Übergangsfrist (geb. § 31, Abs. 4 AMG) bis zum Ablauf der Haltbarkeit erhalten. Die Firma teilt weiter mit, dass Lariam® in vielen Ländern der Europäischen Union verfügbar ist und somit bei Bedarf als Einzelimport gemäß § 73 Abs. 3 AMG bezogen werden kann. Seit Mitte 2013 sollte Mefloquin nur noch verschrieben werden, wenn zuvor eine Checkliste auf das Vorliegen von Kontraindikationen ausgefüllt und dem Reisenden ein Patienten-Pass
ausgestellt wurde (siehe www.lariam.de). Bei Beachtung der Kontraindikationen und Warnhinweise hat Mefloquin nach wie vor einen wichtigen Stellenwert in der Malariaprophylaxe bei Schwangeren, Kindern, Migranten und Langzeitreisenden sowie Personen, die das Medikament wiederholt gut vertragen haben. Zur Prophylaxe kommt es weiterhin als kostengünstige Alternative in Frage. Nebenwirkungen werden im psycho-vegetativen Bereich, selten als epileptische Anfälle und psychotische Symptome beobachtet. Sie sind abhängig von einer persönlichen Disposition sowie auch dosisabhängig und können bei Therapie und höherer „loading dose" vor Last-Minute-Reisen häufiger und stärker auftreten als bei der regelhaft durchgeführten Prophylaxe. Psychische Symptome wie Albträume, akute Angstzustände, Depressionen, Unruhe oder Verwirrtheitszustände bei prophylaktischer Anwendung von Mefloquin sind als prodromal anzusehen. In diesem Fall ist das Arzneimittel unverzüglich abzusetzen und durch eine alternative Medikation zu ersetzen. Personen, die bestimmte Vorerkrankungen haben oder Medikamente einnehmen, können dafür besonders prädestiniert sein. Mefloquin ist somit bei allen psychiatrischen und vielen neurologischen Erkrankungen kontraindiziert. Des Weiteren sollte Mefloquin bei Patienten mit Erregungsleitungsstörungen am Herzen nur unter Vorsicht angewendet werden. Weitere Nebenwirkungen sind Übelkeit, Erbrechen, weiche Stühle oder Diarrhö und Bauchschmerzen, seltener treten allergische Hautreaktionen auf. Reisende mit Aktivitäten, die eine ungestörte Aufmerksamkeit, räumliche Orientierung und Feinmotorik erfordern, sollten möglichst kein Mefloquin nehmen. Wenn es zu Nebenwirkungen kommt, treten diese häufig schon nach der ersten oder zweiten Einnahme auf. Deshalb sollte mit der Mefloquin-Prophylaxe bei erstmaliger Anwendung bereits 2-3 Wochen vor der Abreise begonnen werden. Bei erwiesener Unverträglichkeit sollte künftig auf die Einnahme des Mittels verzichtet werden.Eine Alternative kann dann noch vor Reiseantritt gesucht werden.

Die Hinweise zur Anwendung bei besonderen Personengruppen sind daher sorgfältig zu beachten. Weitere Angaben zu Kontraindikationen, Neben- und Wechselwirkungen sind der Fachinformation zu entnehmen.

Empfehlung zur Dosierung